Sonntag, 9. Juli 2017

American Gods: Staffel 1 - Rückblick

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Die erste Staffel von „American Gods“ ist vor drei Wochen mit der finalen achten Episode zu Ende gegangen. Um die Zeit zu überbrücken, bis die Geschichte rund um die Götter und Shadow Moon (Ricky Whittle) weitergeht, blicke ich auf die erste Staffel zurück und bespreche in diesem Post unter anderem Besonderheiten der Sendung, meine Lieblingsfolge sowie Wünsche für die nächste Staffel. Die Produktion der nächsten Staffel soll übrigens im September dieses Jahres beginnen.

Eine Serie der besonderen Art

Eine empfehlenswerte Serie
Foto: starz
„American Gods“ unterscheidet sich von allen Sendungen, die ich bisher gesehen habe. Jede neue Folge hat mich überrascht, weil es oft nie so weitergegangen ist, wie ich es erwartet hätte. Das liegt vor allem an den Rückblicken. Ob die Vergangenheit eines gegenwärtigen Charakters wie Laura Moon (Emily Browning) oder der Figur Essie MacGowan (Emily Browning) aus dem 18. Jahrhundert. Teilweise nehmen diese Erzählungen ganze Episoden ein. Das war gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt kein Grund, warum ich eine Folge nicht gemocht hätte. Egal ob sie in der Vergangenheit spielen oder in der Gegenwart, ich habe sie alle gerne angeschaut und somit ist "American Gods" eine Serie, die mich positiv überrascht hat und auf jeden Fall eine Empfehlung ist.
Generell finde ich die Idee interessant, dass die Götter durch die Einwanderung der Menschen und ihres Glaubens nach Amerika gekommen sind. Das erfährt der Zuschauer durch die Prologe, beispielsweise beim afrikanischen Gott Mr. Nancy, der auf einem Sklavenschiff auftaucht. Genauso spannend ist die Erklärung zur Existenz der Götter: Wie wichtig Verehrung und Glaube für sie sind und dass sie ohne Gläubige schnell vergessen werden und im schlimmsten Fall sogar sterben können. Die neuen Götter sind durch die Verehrung der Menschen für Medien oder Technik entstanden, weil sich die Interessen der Leute verschoben haben. Diese Idee gefällt mir wirklich gut.
Die Sendung bietet darüber hinaus viele visuell schön ausgearbeitete Szenen. Schon das Intro ist toll gestaltet und ich habe es trotz der Länge von 90 Sekunden selten übersprungen. Ebenso ansehnlich sind die Traumsequenzen von Shadow Moon, beispielsweise als er durch einen Wald voller Menschenknochen läuft und auf einen Büffel mit Flammenaugen trifft. Die Szene im Finale, als Ostara das Land und die Pflanzen sterben lässt, sieht ebenfalls beeindruckend aus. Die Serienmacher haben zudem ein Faible für Aufnahmen in Zeitlupe. Dazu zählen bedeutende Momente, unter anderem als Shadow die Goldmünze auf Lauras Grab wirft. Der Fokus liegt dabei auf dem Goldstück, wodurch man als Zuschauer sofort aufmerksam wird und das zurecht: Diese Münze hat im weiteren Verlauf noch eine große Bedeutung. Weniger wichtige Ereignisse werden aber genauso detailliert gezeigt. So sieht man in einer Folge, wie eine Schachtel Zigaretten den Weg aus dem Inneren des Automaten zurücklegt, bis sie im Fach zur Entnahme landet. Das ist zwar vollkommen unnötig, wirkt optisch aber trotzdem richtig toll. Es ist mir sogar sehr prägnant in Erinnerung geblieben, weil ich so etwas noch nie in einer anderen Serie gesehen habe.

Tolle Figuren - egal ob göttlich oder menschlich 

Stehen den Göttern in nichts nach: Laura und Shadow
Foto: starz
Was mir besonders gut an "American Gods" gefällt, sind die Charaktere. Die Götter haben alle ihre besonderen Eigenarten, die zu ihrem jeweiligen mythologischen Ursprung passen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei Czernobog (Peter Stromare), der Gott des Bösen. Stromare spielt ihn als eine sehr unangenehme und beängstigende Figur, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Dann gibt es natürlich noch Mr. Wednesday (Ian McShane), der sich später als der Gott Odin herausstellt. Er ist gut darin, Menschen mit seinen Worten und Taten zu manipulieren. So spielt er in der ersten Folge am Flughafen den verwirrten alten Mann und bekommt dadurch einen Sitzplatz im Flugzeug - in der ersten Klasse. Er wirkt außerdem sehr weise und erfahren. Zusätzlich dazu hat er einen ganz besonders Charme, den Ian McShane ihm durch sein lässiges Schauspiel verleiht. Ich mochte vor allem, wie er mit Shadow umgeht und ihm seine Weisheiten vermittelt. Bei den neuen Götter hat mich vor allem Media (Gillian Anderson) beeindruckt, da sie jedes Mal als eine andere Person aus den Medien aufgetreten ist (z.B. Marilyn Monroe oder David Bowie). Dadurch hat sie immer andere Charakterzüge und Eigenarten, die zu dem medialen Vorbild passen. Mr. World (Crispin Glover), der Anführer der neuen Götter, ist ebenfalls eine sehr spannende Figur, gerade weil man kaum etwas über ihn weiß. Seine Art ist dabei undurchschaubar und er wirkt in seinen wenigen Szenen sprunghaft und unberechenbar: In der einen Sekunde ist er vollkommen ruhig, in der nächsten gerät er in Ekstase und
brüllt herum. Das steigert die Spannung auf weitere Auftritte von ihm. Neben den übernatürlichen Figuren gibt es noch einige menschliche und diese haben mir durchweg gefallen. Shadow Moon, den ich von Beginn an mochte, bietet durch seine ruhige, bedachte Art eine gute Abwechslung zu den Göttern. Gerade in den ersten Folgen ist es toll, ihn dabei zu verfolgen, wie er Schritt für Schritt in die Welt der Götter gedrängt wird. Auch seine Frau Laura Moon wurde mir mit der Zeit sympathischer. Vor allem ihre direkte, teilweise schroffe Art, finde ich toll, genauso wie ihr unbändiger Wille, Shadow zurückzugewinnen. Wer allerdings mein Lieblingscharakter der Serie ist, erzähle ich in einem späteren Absatz.

Wer ist es?

Nur ein klein wenig beunruhigend: Czernobog
Foto: starz
Neben diesen positiven Aspekten gibt es aber auch etwas, das gerade zu Beginn gestört hat. In den ersten Episoden war ich teilweise ziemlich überrumpelt von den vielen Charakteren, deren mythologische Ursprünge kaum vorgestellt wurden. Besonders verwirrend war die zweite Folge „The Secret of Spoons“, in der Czernobog und die drei Zorya Schwestern auftauchen. Alles, was man an Informationen über sie bekommt, sind vage Andeutungen auf die Mythen, denen sie entspringen. So habe ich die meiste Zeit damit verbracht, mich über diese Figuren zu wundern und das hat teilweise von der Episode selbst abgelenkt. Anfangs war ebenfalls die stockende Handlung irritierend. Immer dann, als sie in Fahrt kam, wurde sie wieder durch Rückblick-Folgen ausgebremst. Das ist im Gegensatz zu anderen Serien sehr außergewöhnlich und war einfach ungewohnt. Mit der Zeit habe ich mich aber einfach darauf eingelassen und es als eine Besonderheit von „American Gods“ gesehen. Sobald ich nicht mehr ständig damit gerechnet habe, dass in der nächsten Folge die alte Handlung sofort aufgegriffen wird, konnte ich die Sendung vollkommen genießen.

„A Prayer for Mad Sweeney“

Eine Reise ins 18. Jahrhundert
Foto: starz
Die siebte ist meine Lieblingsfolge aus der ersten Staffel. Obwohl die Lebensgeschichte von der Irin Essie für die Handlung in der Gegenwart keine wirklich Rolle spielt, habe ich sie trotzdem sehr gerne angeschaut. "A Prayer for Mad Sweeney" hat ein ganz spezielles Feeling, da die meisten Ereignisse im 18. Jahrhundert spielen und besonders die Szenen in Irland einfach magisch sind. Man verfolgt in dieser Episode fast das gesamte Leben von Essie. Davon war ich so gefesselt, dass die Folge wie im Flug vorbeigegangen ist. Überraschend war für mich, dass die junge Irin von Emily Browning (Schauspielerin von Laura Moon) gespielt wird. Sie hat es aber geschafft, dass man in ihr nicht die untote Frau gesehen hat. Sie hat Essie vollkommen anders gespielt, als eine sanfte und freundliche Figur, und ihre Vielfältigkeit als Schauspielerin bewiesen. Außerdem taucht in diesem Rückblick Mad Sweeney (Pablo Schreiber) auf und man erfährt noch einiges über seine Vergangenheit. Die wenigen Szenen mit dem Kobold und Laura in der Gegenwart sind auch interessant. Ich liebe die Chemie zwischen ihnen und daher gefällt mir diese Folge besonders, weil sie der Beziehung der beiden noch mehr Tiefe gibt. Vor allem Sweeney zeigt durch diese Episode bisher unbekannte Charakterzüge. Dadurch wurde er für mich zu einer noch interessanteren und besseren Figur. (Die ausführliche Rezension zu dieser Folge könnt ihr hier nachlesen.)

Der Kobold mit Herz (und Pechsträhne)

Mad Sweeney ist tiefgründiger als man anfangs glaubt
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Es kommt jetzt vielleicht nicht wirklich überraschend, aber mein liebster Charakter in „American Gods“ ist: Der Kobold Mad Sweeney! Ich liebe es, wie seine Figur mit jeder weiteren Episode vielschichtiger wird. Am Anfang ist er nur ein Typ mit großer Klappe, der sich mit Shadow prügelt. Doch er zeigt im weiteren Verlauf noch andere Facetten an sich. So erfährt man, dass er in dem Krieg der Götter mitkämpfen will, um eine alte Schuld auszugleichen. Als Sweeney von seiner damaligen Flucht vor einer Schlacht erzählt, wirkt er plötzlich sehr viel ruhiger und verletzlicher. Vor allem im Umgang mit Laura wird immer wieder eine weichere Seite an ihm sichtbar. So hätte er nach dem Autounfall in Folge sieben die Glücksmünze haben und ihren endgültig toten Körper zurücklassen können. Stattdessen setzt er sie zurück in Lauras Brustkorb, um Shadows Frau wieder zum untoten Leben zu erwecken. Es wird deutlich, dass der Kobold ihr nicht nur dabei hilft, unter die Lebenden zu kommen, um seine Münze zurückzubekommen. Man merkt, dass ihm an dieser Mission wirklich etwas liegt und wie schuldig er sich fühlt, weil er Lauras Tod verursacht hat. Das lässt er erneut in der finalen Folge durchscheinen, als klar ist, dass eine Wiederauferstehung für die Untote erst einmal nicht möglich ist. Ich mochte ihn schon seit seinem zweiten Auftritt, bei dem er auf Laura trifft. Dort überzeugt er vor allem durch seine tollen Sprüche und lustigen Momente (dazu gleich noch mehr). Danach hat er mir mit jeder Folge mehr gefallen und ich habe immer gehofft, dass er mehr Szenen bekommt. Daher war ich wirklich froh über die siebte Episode, die einen Teil seiner Vergangenheit behandelt und ihm gleichzeitig durch die Ereignisse in der Gegenwart neue Facetten gibt. Nach dieser Folge ist er schließlich zu meinem Favoriten der Serie geworden. 

Ein Göttlicher Bankraub und ein Kampf zwischen Zombie und Kobold

Wednesday (l.) und Shadow - ein tolles Team
Foto: starz
Hier möchte ich kurz auf zwei meiner Lieblingsszenen eingehen. Bei einer geht es um den Bankraub von Wednesday und Shadow in Folge drei „Head full of Snow“. Ich habe es geliebt, wie der alte Gott ständig in Rätseln gesprochen und seinen Bodyguard damit immer wieder verwirrt hat. Shadow ist fast ununterbrochen genervt und überhaupt nicht begeistert von der Idee, eine Bank auszurauben und hat das auf eine beinahe verzweifelte Art und Weise gezeigt, die mich zum Schmunzeln gebracht hat. Als Wednesday beispielsweise vollkommen entspannt einen Kakao für Shadow holt und ihn fragt, ob er Marshmallows darin mag, kann er gar nicht fassen, dass der alte Gott in diesem Moment solche Prioritäten setzt. Allerdings hat Wednesday einen ziemlich genialen Plan, um an das Geld zu kommen und das fand ich wirklich unterhaltsam. Ich habe in diesem Moment das erste Mal gemerkt, dass sie als Duo toll miteinander agieren und habe gehofft, dass das nicht die letzte Szene dieser Art gewesen ist. Das war glücklicherweise nicht der Fall: In den weiteren Folgen gibt es ähnlich tolle Momente zwischen den Beiden. 
Wie vorhin schon erwähnt, habe ich Mad Sweeney seit seinem zweiten Auftritt gemocht. Diese Szene ist mein zweiter Favorit. Es ist das erste Treffen von Sweeney und Laura in Folge fünf, als der Kobold die Untote ausfindig macht und seine Glücksmünze zurückverlangt. Shadows Frau denkt aber gar nicht daran, die Münze abzugeben und macht ihn richtig fertig. Das ist besonders lustig, weil sie superstark ist und ihn mit Leichtigkeit abwehren kann. Der Kobold bekommt also einiges ab, was für ihn schmerzhaft ist, für den Zuschauer aber pure Unterhaltung. Besonders das Ende des Kampfes, als die Polizei ins Zimmer kommt und Laura sich tot stellt, ist nochmal ein kleines Highlight. Als Sweeney abgeführt wird, ruft er ihr noch die Worte "You're an asshole!" zu, was die Untote mit einem kleinen Lächeln aufnimmt. Man hat auch hier schnell gemerkt, dass mögliche weitere Szenen der beiden viel Potential dazu haben, die Serie aufzulockern, da sie ein sehr dynamische Duo sind. Und die weiteren gemeinsamen Momente mit ihnen, die es zum Glück (!) gegeben hat, haben das mehr als bestätigt. Zur Rezension von „Lemon Scented You“ kommt ihr hier.

Wünsche für Staffel zwei

Bitte mehr Szenen mit Sweeney und Laura!
Foto: starz
Das Finale "Come to Jesus" hat mit einigen Cliffhangern geendet. Für die Fortsetzung hoffe ich daher, dass alle diese offenen Fragen behandelt werden. Vor allem natürlich die Frage, wie der Krieg der Götter letztendlich ausgetragen wird. Es wäre toll, wenn es hierbei nicht "nur" zu einem Kampf kommt, sondern dass die Serie mich dabei mit unerwarteten Ereignissen und Wendungen überrascht. Dabei erhoffe ich mir auch, dass man erfährt, wer genau Mr. World ist und vor allem wozu er fähig ist. Ein weiterer Wunsch meinerseits ist natürlich, dass Mad Sweeney noch eine größere Rolle spielt. Das kann ich mir aber gut vorstellen, da er an Wednesdays Seite im Krieg kämpfen will. Außerdem ist das Problem der Glücksmünze noch immer nicht geklärt: Er hat sie noch nicht zurück und Laura muss erst auferstehen, damit er das Goldstück an sich nehmen kann. In diesem Zusammenhang hoffe ich ebenfalls, dass Laura wieder unter die Lebenden kommt und nicht am Ende einfach zerfällt, so wie Sweeney es schon früh vorhergesagt hat. Beide Charaktere zusammen sehe ich einfach unglaublich gerne und daher fände ich es schade, wenn einer der beiden nicht mehr dabei sein würde. Shadow hat für mich in einigen Folgen eine sehr passive Rolle eingenommen und daher würde ich mir für die nächste Staffel wünschen, dass er einen aktiveren Part bekommt und sich dadurch wieder mehr wie der Protagonist der Sendung anfühlt. Auch seine gemeinsamen Szenen mit Mr. Wednesday haben mir immer sehr gut gefallen und daher würde ich mich freuen, wenn man davon ebenfalls noch mehr zu sehen bekommt. 
Vielleicht werden sogar noch weitere Götter, neu oder alt, eingeführt. Das fände ich definitiv spannend, denn im Verlauf der ersten Staffel habe ich mit jedem neu eingeführten Gott gemerkt, wie mein Interesse an der jeweiligen Mythologie gestiegen ist. Ich habe dadurch von Gottheiten gelesen, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Wenn also noch mehr dazukommen, wäre das toll. Auf der anderen Seite wünsche ich mir außerdem, dass die bisher erschienenen Götter noch weiter thematisiert werden und man mehr von ihnen und ihrer Vergangenheit erfährt. Denn das fand ich sowohl bei der Liebesgöttin Bilquis oder auch beim Kobold Mad Sweeney wirklich spannend.

"American Gods" ist eine gelungene Serie, die in der ersten Staffel leider nur acht Folgen hatte. Bis zur nächsten Staffel heißt es nun warten und hoffen, dass es bald neue Informationen geben wird. Mir hat es viel Spaß gemacht, die Serie zu verfolgen und rezensieren. (Alle  meine Rezensionen zur ersten Staffel könnt ihr hier finden.)


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