Mittwoch, 31. Januar 2018

Pastewka: Staffel 8 - Rezension

Von 2005 bis 2014 liefen sieben Staffeln "Pastewka" bei Sat.1. In der Serie geht es um Comedian Bastian Pastewka (spielt sich selbst), der gemeinsam mit seiner Freundin Anne Leyfert (Sonsee Neu) in Köln lebt. Sein Egoismus und seine Bauernschläue bringen Bastian immer wieder in Schwierigkeiten - sei es mit Anne, seiner Familie, prominenten Kollegen, Fans oder der verhassten Nachbarin Svenja Bruck (Bettina Lamprecht). Vier Jahre später sind nun zehn neue Folgen erschienen - nicht mehr bei Sat.1, sondern bei Amazon Prime Video. Da die achte Staffel "Pastewka" auch auf unserer "Darauf freuen wir uns 2018"-Liste stand, haben wir sie natürlich sofort durchgeguckt und für euch rezensiert.

Seit vier Jahren ist Bastian Pastewka als "lustiger Schwuler" in Annette Friers (spielt sich selbst) Sitcom "Frier" zu sehen. Er findet die Witze schal und beschließt, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Im Eifer des Gefechts schmeißt er auch seine Agentin Regine Holl (Sabine Vitua) raus und beendet versehentlich die Beziehung mit Anne. Die hat mittlerweile einen Doktortitel und ist Gynäkologin im Krankenhaus. Auch für den Rest der Familie läuft alles rund: Bastians Nichte Kim (Cristina do Rego) ist Teil einer aufstrebenden Band und ihr Vater Hagen ("Polizeiruf"-Kommissar Matthias Matschke) betreibt mit seiner schwangeren Frau Svenja einen erfolgreichen Foodtruck. Bastian haust währenddessen alleine in einem Wohnwagen. Verzweifelt versucht er positive Presse zu bekommen, doch tritt stattdessen von einem Fettnäpfchen ins nächste.


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Folgen 2 bis 9 können übersprungen werden

Nicht mehr ganz der alte Pastewka
Foto: Amazon Prime Video
Für die achte Staffel "Pastewka" wurden zwei Dinge groß angekündigt: Die ganze Stammbesetzung ist wieder mit dabei und die zehn Folgen werden durch eine horizontale Erzählweise zusammengehalten. Beides stimmt prinzipiell - allerdings nur für die erste und letzte Episode. Die Serie beginnt nach dem gewohnten Prinzip: Bastian verscherzt es sich durch eine egoistische Aktion mit seiner Familie und seinen Kollegen. In diesem Fall sind es sogar mehrere: Annette Frier ist sauer über seine Kündigung. Anne ist sauer, dass er (vermeintlich) mit ihr Schluss gemacht hat. Volker Pastewka (Dietrich Hollinderbäumer) hält seinen Sohn sowieso für dumm (Volker: "Sag mal, haste gepennt am Standesamt? Hagen heißt jetzt Bruck hinten." Bastian: "Was? Und die Bruck?" Volker: "Ja, die auch, du Dödel."). Hagen und Svenja sind sauer, dass Bastian versucht hat, die Zeugung ihres Kindes zu verhindern und Kim ist sauer, dass er damit nicht erfolgreich war. Im Gegensatz zu den bisherigen Staffeln lösen sich die Probleme am Ende der Folge nicht in Luft auf. Anstelle aber konsequent einen roten Faden zu spinnen, setzt die horizontale Erzählweise für mehrere Episoden aus. Bis auf Kim kommen die meisten Hauptcharaktere nur sporadisch in den Folgen 2 bis 9 vor. Die früheren Staffeln haben vom witzigen Schlagabtausch zwischen Bastian und seinem Umfeld gelebt. In der Neuauflage ist das leider Mangelware, da der Comedian die meiste Zeit alleine unterwegs ist oder genervt in seinem Wohnwagen auf dem Media Markt-Parkplatz herumgammelt. Die eigentlichen Kerne der Geschichte, nämlich die Trennung von Anne und der baldige Familienzuwachs, hätten in zwei oder drei Teilen erzählt werden können. So wird die Handlung auf zehn unterschiedlich lange Episoden gestreckt, die mangels Substanz meist nur wie Füllmaterial wirken.
Der Serienmarathon hat Spuren hinterlassen
Foto: Brainpool/Frank Dicks
Das beste Beispiel ist Folge 4 ("Das Lied von Hals und Nase"), in der es 29 Minuten lang um "Game of Thrones" geht - so detailliert, dass die "Pastewka"-Macher mit einer Spoilerwarnung einsteigen ("Schauen Sie diese Folge nur, wenn Sie bereits auf dem neuesten Stand sind oder mit Rittern und Drachen sowieso nichts anfangen können."). Gefühlt ein Drittel der Zeit beobachtet der Zuschauer Bastian dabei, wie er gebannt auf den Fernseher starrt und Unmengen an Fastfood in sich hineinstopft. Jeder Serienfan kennt dieses Szenario, aber es ist unglaublich langweilig, jemand anderem dabei zuzusehen. In einer weiteren Folge schlägt sich der Comedian nach dem Rasieren mit einem unschönen Ausschlag herum. Diese Szenarien würden sich für eine zehnminütige Sketch- oder Webserie eignen. Als halbstündige Episoden bieten sie aber einfach nicht genug Abwechslung und Spannung. Wenn Bastian im Kaufhaus zum fünften Mal für einen Perversen gehalten wird, weil er sich wegen des Ausschlags so unangemessen bewegt oder die x-te "Game of Thrones"-Staffel mit dem gleichen Dialog eingeleitet wird, können einem 30 Minuten schnell wie zwei Stunden vorkommen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Die erste und letzte Folge sind kurzweilig, was vor allem daran liegt, dass das Ensemble vollständig ist und sich die Handlung nicht ausschließlich auf Bastian konzentriert.
Die offiziellen Hauptdarsteller von "Pastewka"
Foto: Brainpool/Amazon Prime Video
In dieser Staffel ist unverkennbar, dass die Serie ihren Humor und ihren Charme aus dem Zusammenspiel der Hauptcharaktere zieht. Auf sich allein gestellt, wirkt Pastewka sehr einfallslos und langweilig. Er war bislang nie ein richtiger Sympathieträger, da er sich wenig für sein Umfeld interessiert und andere gerne für seinen eigenen Vorteil ausnutzt. In den neuen Folgen wird dieser Aspekt jedoch arg überspannt. Es ist praktisch unmöglich Mitgefühl für seine Situation zu empfinden oder ihn überhaupt irgendwie zu verstehen, weil er nie aus seinen Fehlern lernt. Eine der besten Szenen der Staffel ist Annes Reaktion auf Bastians (vermeintliche) Trennung. Ausnahmsweise kann er sie nicht mit einer lapidaren Entschuldigung besänftigen, sondern wird mit all ihrem Frust der vergangenen Jahre konfrontiert. Als Zuschauer weiß man, dass sie nicht übertreibt, sondern die Wahrheit sagt. Umso nerviger erscheinen die darauffolgenden Episoden, die sich größtenteils auf den Comedian und sein Versinken im Selbstmitleid konzentrieren. Zusätzlich zum Auftakt und Finale gibt es noch zwei weitere Folgen, die sich lohnen. In der einen liefern sich die beiden Pastewka-Brüder ein Minigolf-Spiel auf Leben und Tod, begleitet von den bissigen Kommentaren ihres Vaters und der unfreiwilligen Spielleiterin Kim. In der anderen lässt Bastian mit seiner Agentin Regine die katastrophalen Geschehnisse des Deutschen Filmpreises Revue passieren - inklusive einer extrem witzigen Fotostrecke. Die anderen sechs Episoden können locker übersprungen werden, da sie nicht sonderlich witzig sind und auch keine große Bedeutung für die staffelübergreifende Handlung haben.


FKK-Camping mit Dany Sahne-Pudding 

Bastian zaubert spontan einen Dany Sahne-Nachtisch 
Foto: Screenshot
Stattdessen bieten diese "Füllepisoden" vor allem eins: Massig Platz für Werbung. Es vergeht kaum eine Szene, in der nicht irgendwo ein Markenlogo auftaucht. Ein paar Unternehmen scheinen extrem tief in die Tasche gegriffen zu haben, denn sie werden sogar namentlich genannt. So bekommt Bastian von dm-Mitarbeiterin Hanna Schwan (Pegah Ferydoni) die Empfehlung, Kondome der Eigenmarke zu kaufen. Die seien am besten - das testen die beiden dann auch direkt. Ein Großteil der "Game of Thrones"-Folge spielt auf dem Media Markt-Parkplatz und in dem Elektromarkt selbst - inklusive Servicegespräch über Fernseher. In derselben Episode ordert Bastian DVDs bei Amazon und da das nun sein Haussender ist, wird der ganze Bestellvorgang gezeigt - natürlich mit Betonung, dass die Ware schon bis 9 Uhr per Overnight Express da sein wird. Welche Lieferadresse er für seinen Wohnwagen angegeben hat, bleibt leider im Dunkeln. Auch Lidl, Nivea und Dany Sahne haben Gastauftritte. Das weckt Erinnerungen an die peinliche KFC-Werbung während einer besonders emotionalen Szene in der zweiten "Stranger Things"-Staffel (hier geht es zu unserer Rezension). Bei "Pastewka" geht es immerhin nicht so düster zu, dass die Produktplatzierungen pietätlos sein könnten. Sie stören trotzdem - zumindest die verbalen. Ein paar Logos im Bild sind akzeptabel, aber dass sich die Charaktere teilweise über reale Marken unterhalten und Vorteile aufzählen, lässt "Pastewka" wie eine Dauerwerbesendung wirken. Hier wäre es wirklich angenehmer gewesen, eine Folge weniger herauszubringen und stattdessen auf exzessive Produktplatzierungen zu verzichten.
In der Serie wird nichts zensiert 
Foto: Screenshot (bearbeitet)
Fast genauso prominent wird nackte Haut inszeniert. Zu Sat.1-Zeiten kam die Serie eher züchtig daher. Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Bereits in Folge zwei findet sich Bastian unfreiwillig auf einem Nudisten-Campingplatz wieder. Dort trifft er neben allerhand hilfsbereiter Wohnwagenbesitzer auch Annes Ex-Freund Jo (René Steinke, Beck is back!) - alle splitterfasernackt, was die Kamera ausgiebig festhält. Die ersten Szenen, in denen Bastian völlig verstört versucht, niemanden anzustarren, sind noch ganz amüsant. Schnell wird der Witz jedoch langweilig. Die Camper werden sehr eindimensional dargestellt und fast ausschließlich auf ihre Nacktheit reduziert ("Eifelglück! Eifelglück! Jeder zeigt sein bestes Stück!"). Im Laufe der Staffel lassen dann weitere Haupt- und Nebendarsteller die Hüllen fallen - meist zu Bastians Entsetzen. Er selbst findet immer ein Requisit, um nicht vollkommen blank dazustehen. Das ist eher Klamauk als der Humor, mit dem die Serie bekannt geworden ist. Oder um es mit den Worten von Anke Engelke (spielt sich selbst) zu sagen: "Basti! Du hast dich sehr verändert und ich mach das auch nicht mehr mit, dieses ganze Happy-Go-Lucky! Ich mach jetzt Kino, da herrschen andere Regeln."

Fazit

Mit dem Witz, dem Charme und der Kreativität der vorherigen Folgen kann die achte "Pastewka"-Staffel nicht mithalten. Die Serie funktioniert mit Abstand am besten, wenn die Hauptcharaktere aufeinandertreffen und sich gegenseitig anstacheln. In den neuen Episoden ist das leider zu selten der Fall. Meistens liegt der Fokus auf Bastian und seinem aktuellen Problem - um jeweils knapp 30 Minuten zu füllen, ist das zu wenig. Das Resultat sind Folgen, in denen nur kaum etwas passiert und die sich inhaltlich im Kreis drehen. Die Chance, eine horizontale Geschichte zu erzählen, wurde leider kaum genutzt. Stattdessen gibt es immer wieder aufdringliche Produktplatzierungen, Klamauk und nackte Tatsachen. Die erste und letzte Episode sind hier die angenehme Ausnahme - die dazwischen können locker übersprungen werden. Heute hat Amazon die Produktion einer neunten Staffel verkündet - hoffentlich steht dann wieder die gesamte Hauptbesetzung im Fokus.


Habt ihr die achte Staffel von "Pastewka" schon durchgeguckt? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!


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4 Kommentare:

  1. Als Amazon Prime Kundin habe ich mir die 8. Staffel Pastewka auch angesehen, und es fällt wie beschrieben extrem die "Schleichwerbung" auf. Die attraktive junge "dm-Mitarbeiterin" ist ja schon sehr offensichtlich, aber auch das penetrante Einblenden eines Media Marktes in fast jeder Folge fällt extrem auf. Dass man die Geschäfte etwa in Köln-Marsdorf deutlich erkennt, das würde ich nicht einmal negativ werten, obwohl es natürlich dennoch auffällt. Etwas weniger Werbung hätte die Serie mit der Kunstfigur Pastewka für mich angenehmer gemacht.

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  2. Man kann es kaum allen recht machen... . Irgendwer muß es halt bezahlen.

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  3. Neben gepflegter Langeweile zeigt die 8.Staffel auch Dinge, die ich nie sehen wollte (z.B. Svenja Bruck nackt!).
    Nee, da schau ich mir lieber die alten Sat1 Staffeln an, als dieses Elend!

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  4. Die Negativkritiken sind in keiner Weise nachvollziehbar. Alle, wirklich alle ! Folgen sind unterhaltsam und sehenswert.
    Und ob jetzt Pastewka bei Media-Markt einbricht oder bei DM einkauft, wird meine Kaufentscheidung für TV oder Handcreme wahrlich nicht beeinflussen.
    Für all die Pietisten, die sich über die Nacktszenen auf dem FKK-Campingplatz echauffieren, bietet die scheinheilige Saubermann/frau-Filmwelt genug Ausweichmöglichkeiten. Ich freue mich sehr über die mutige Rückkehr zur unverkrampften Offenheit der 70er, die hier in keiner Weise sexistisch rüberkommt.
    An Pastewka und sein Team: Weiter so!

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